Wegen Steuern: Anklage beharrt auf Haftstrafe für Ancelotti
Zum Ende der mündlichen Verhandlung bekräftigte die Anklage ihre Forderung nach einer Haftstrafe für den 65-jährigen Startrainer Carlo Ancelotti. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Manu Fernandez/AP/dpa)

Zum Ende der zweitägigen mündlichen Verhandlung im Steuerstrafprozess gegen Starcoach Carlo Ancelotti hat die Anklage wie schon zuvor eine Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten sowie eine Strafzahlung von mehr als drei Millionen Euro beantragt. Das berichteten spanische Medien übereinstimmend. Dem Trainer von Real Madrid wird vorgeworfen, in den Jahren 2014 und 2015 Steuern in Höhe von insgesamt 1.062.079 Euro nicht an den Fiskus abgeführt zu haben. 

Die Verteidigung betonte hingegen erneut, Ancelotti habe sich nur an das gehalten, was ihm seine Berater und Real Madrid gesagt hätten und plädierte auf Freispruch für ihren Mandanten. Er sei schlecht beraten gewesen und die Gehaltsverträge seien «Pfusch» gewesen, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Europa Press.

Urteil erst in einigen Wochen

Allerdings schloss der Verteidiger eine Verurteilung des 65-Jährigen offenbar nicht mehr gänzlich aus. In einem solchen Fall müsse die Begleichung der Steuerschuld durch Ancelotti als mildernder Umstand gewertet werden. 

Mit einem Urteil der Audiencia Provincial von Madrid, was in Deutschland einem Landgericht entspricht, ist einem Justizsprecher zufolge erst in einigen Wochen zu rechnen.

Ancelotti hatte in den Anhörungen vor Gericht seine Unschuld beteuert. «Ich habe nie daran gedacht, zu betrügen, weil mir das noch nie passiert ist», sagte er am ersten Sitzungstag am Mittwoch einem Bericht der Sportzeitung «AS» zufolge.

Staatsanwaltschaft sieht «komplexes und verworrenes Geflecht»

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft soll Ancelotti versucht haben, Einnahmen aus seinen Bildrechten durch ein «komplexes und verworrenes Geflecht von Treuhandgesellschaften und zwischengeschalteten Unternehmen» außerhalb Spaniens zu leiten, wie die spanische Sportzeitung «Relevo» berichtete. Die Anklage wertete dies als eine Verschleierungstaktik mit Betrugsabsicht.

Ancelotti betonte vor Gericht jedoch, sein Arbeitgeber Real Madrid habe vorgeschlagen, die Einnahmen aus der Verwertung von Bildrechten so zu kassieren. Er sei davon ausgegangen, dass dies «korrekt» gewesen sei, schrieb «AS».

Ancelotti hatte Real erstmals zwischen 2013 und 2015 gecoacht, bevor er 2016 vom FC Bayern München unter Vertrag genommen wurde. Die zweite Etappe von Ancelotti in Madrid begann im Sommer 2021.

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